FCI Standard
PETIT BLEU DE GASCOGNE & BAYERISCHER GEBIRGSSCHWEISSHUND
Petit bleu de Gascogne
ist eine alte Rasse, deren Geschichte so lang wie Geschichte von Grand bleu de
Gascogne ist. Jahrelang war sie den Kynologen wenig bekannt, was darauf zurückzuführen
ist, dass die Hunde ausschließlich von Jägern zum Eigengebrauch gezüchtet
waren, infolgedessen war es nicht nötig, die Hunde ins Hundestammbuch einzutragen
oder sie auf Ausstellungen vorzuführen.
Die Geschichte der
Rasse Petit bleu de Gascogne und Grand bleu de Gascogne ging auf
Gaston de Phoebus, den Graf de Foix und seine bekannten Meuten "blauer
Hunde" zurück. Man braucht aber noch Jahrhunderte, um beide Typen
voneinander trennen zu können. Erst im 18. Jahrhundert erscheinen erste
Erwähnungen von kleinen blau gefärbten Laufhunden.
Bis heute hat sich folgende Beschreibung damaliger Rassenvertreter erhalten: "sie
waren nicht gross, leicht, hatten aber einen kräftigen Körperbau, breiten Rücken
und einen sehr dünnen Schwanz, ihre Ohren waren weich und schön zusammengerollt.
Interessant an ihnen war immer die Marmorhaut, auf der das weisse Fell wuchs.
Das hatte zu Folge, dass sich ihre Schieferfarbe nicht änderte, immer wenn
sie beim Verfolgen einer Wildspur nass vom Tau waren oder in einem Teich badeten.
Sie hatten eine sehr schöne Stimme, hielten hervorragend die Fährte, damit
war es aber eine mittelmässige Geschwindigkeit beim Verfolgen der Fährte verbunden,
da sie sehr darauf konzentriert waren, die Spur nicht zu verlieren".
Die Echtheit und uralte Herkunft der Rasse sind unbestritten. Zwar findet man
nicht viele Erwähnungen von Rasse, das ist aber darauf zurückzuführen, dass
in den damaligen Zeiten vor allem grosse Laufhunde hochgeschätzt und sehr bewundert
waren, die auf Jagd an der Seite von Pferden rasten. Dagegen die Kleinen hielt
man für wenig edel, denn sie waren eher als Begleithunde der zu Fuss gehenden
Jäger ausgebildet.
Die gegenwärtige
Linie Die gegenwärtige Linie Kleiner Blauer Gascogner (die in
Wirklichkeit gar nicht so klein sind!) stammt aus der Heimat der Rasse,
aus der Gaskogne. Das Datum der Entstehung des ersten Rasse-Standards ist
leider nich bekannt. Auf Hand von Dokumenten, die sich in Archiven von
Züchtervereinen erhalten haben, in denen die Daten der Entstehung von Rasse-Standards
Griffon bleu de Gascogne (1920) und Grand bleu de Gascogne (1921) angegeben
sind, ist zu vermuten, dass der erste Standard von Petit bleu de Gascogne
Anfang der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts entstand. Das erste erhaltene
Muster stammt dagegen aus dem Jahr 1930 und wurde im Buch mit Rasse-Standards
von Laufhunden veröffentlicht, das im Jahre 1930 von Société de la vénérie
herausgegeben wurde. In dem Buch wurde die Rasse noch als Bleu de Gascogne
von kleinem Wuchs genannt.
Der nächste bekannte Standard stammt aus dem Jahr 1971 und unterscheidet sich
nicht deutlich von dem aus dem Jahr 1930. An dem Standard kam es zu einer Modifikation
hinsichtlich der erwünschten Körpergrösse der Kleinen Blauen. Die früher bestimmte
Grenze von 48 bis 56 cm spaltete sich, je nach dem vom Geschlecht: bei Rüden
in 52 bis 60 cm, bei Hündinen in 50 bis 56 cm und schwarz-weiße Sprenkelung
weichte zugunsten erwünschten schieferblauen Farbtons des Fells. Die Rasse
wurde in Petit bleu de Gascogne, d.h. Kleinen Blauen Gascogner umbenannt.
Dem Exterier nach ist Petit bleu de Gascogne seinem grossen Bruder ähnlich, er ist aber viel kompakter, kürzer und leicher, von deutlich geschlossener und trockener Linie. Sein Kopf ist weniger massiv mit stärker anliegenden Hängeohren, am Hals sind zwar Wammen erhalten, aber nicht so gross wie bei Großem Blauem Gascogner. Sein anliegendes Haar ist weder zu fein noch extrem zu kurz und ist ein wirksamer Wetterschutz.
Zu aussergewöhnlichen Eigenschaften des Laufhundes gehören seine Stimme und sein Arbeitstil. Seine Stimmfarbe ist dunkel und ähnelt der Simme von Grand bleu de Gascogne. Das ist ein majestätisches Musizieren in Basstönen, die bei Hündinen etwa melancholischer sind und am Ende der Phrase in hohe Töne gehen.
Der mit dem Musizieren eng verbundene Arbeitsstil ist
auch einzigartig, weil der Kleine Blaue das Wild mit dem hoch erhobenen Kopf
durch Bellen anzeigt. In der Praxis sieht das so aus, dass er im Moment der
Signalisierung des flüchtenden Wildes in seiner Bewegung verharrt, den Kopf
gleichzeitig hochhebt, danach den wieder zum Boden senkt und die Fähre weiter
verfolgt.
Die Stimme von Laufhunden macht einen grossen Eindruck auf die Jagdteilnehmer
und sorgt zusammen mit Jagdhornsignalen auf Jagd um einmalige gehobene Atmosphäre.
Zu anderen Eigenschaften von Petit bleu de Gascogne gehören auch der hervorragende
Geruchsinn und die aussergewöhnliche Fähigkeit zum Halten der Wildfährte sogar
im sehr schwierigen Gelände und bei ungünstigen Wettersbedingungen sowie hervorrragnde
Veranlagungen zur Arbeit in der Meute. Die Hunde werden meistens auf Kollektivjagd
gebraucht. Anfänglich waren sie auf Hasen spezialisiert, heutzutage brillieren
sie auf Jagd auf Rot- und Schwarzwild, sowie auch auf Raubtiere z. B. Füchse.
Trotz ihrer unstrittigen Jagdeigenschaften war Petit bleu de Gascogne fast im Aussterben begriffen, das galt aber ausschließlich für die in Hundestammbücher eingetragenen Vertreter, da die Laufhunde, wie ich es anfänglich erwähnt hatte, zum Eigengebrauch von französischen Jägern ohne Eintragung in Hundestammbücher gezüchtet waren, so dass im Jahre 1947 nur zwei Hunde dieses Rasse-Standarts in französischen Zuchtbücher eingetragen waren. Dank Bemühungen des französischen Vereins ist es gelungen, ihre Population wieder herzustellen, die in kurzer Zeit zu einer der in Frankreich meistens vorkommenden Rassen innerhalb der Gruppe von Laufhunden wurde, was die Rasse den hervorragenden Jagdeigenschaften, ihrer Lust zur Arbeit und grosser Vielseitigkeit zu verdanken hat.
Bearbeitet von Katarzyna Bujko anhand
von Angaben des Vereins für französische Laufhunde.

